gestern - heute - morgen

 

Vor 30 Jahren schrieben wir das Jahr 1988. Voll von guten Vorsätzen und Vorstellungen gründete ich damals die Praxis. Es gab viel zu tun, denn bei jedem neuen Patienten waren meist viele Füllungen zu legen. Außerdem steckte die zahnmedizinische Prophylaxe noch in den Kinderschuhen. Es kamen viele Kinder in meine Praxis, da - so berichteten die Eltern - etliche andere, damals schon ältere Zahnärzte nicht bereit waren, Kinder zu behandeln bzw. Prophylaxemaßnahmen durchzuführen.

Nachdem ich anfangs nur ausgelernte Zahnarzthelferinnen beschäftigte, stellte ich im Jahr 1991 die erste Auszubildende ein. Mein Bemühen, sie beim Lernen zu unterstützen, fiel in der Berufsschule auf. Ich wurde gebeten, mich in der BBS vorzustellen. Dort unterrichte ich seit 1992.

Die damals "älteren" Patienten waren in der Regel zwischen 60 und 75 Jahre alt. Sie hatten kaum noch eigene Zähne. Viele meinten, dass man nicht mehr zum Zahnarzt gehen müsse, da man eine Vollprothese habe. Da ich mit einem Thema zur Totalprothetik zum Dr. med. dent. promovierte, lag mir neben der zahnärztlichen Prophylaxe auch die zahnärztliche Versorgung der älteren Menschen am Herzen. Zunächst besuchte ich Bewohner des St. Martinshofes und behandelte sie vor Ort. Später kamen Hausbesuche in weiteren Senioreneinrichtungen oder auch in privaten Wohnungen hinzu.

Da ich mich schon zu Schulzeiten für Computer interessiert und einfache Dinge zu programmieren gelernt hatte, kaufte ich 1994 den ersten "Apple" mit einem zahnärztlichen Abrechnungsprogramm. Auf dem kleinen 12-Zoll-Bildschirm waren sogar schon Zahngrafiken zu sehen! Als so genannte Pilotpraxis rechnete ich mehrere Jahre die erbrachten Leistungen per Papier und Diskette mit der KZVN ab und half damit, den heute üblichen online-Abrechnungsweg zu gestalten.

Bereits zu Praxisbeginn hatte ich entgegen der damals üblichen Gepflogenheiten ein Panorama-Schichtröntgen-Gerät gekauft. Durch Einführung der Lumineszenz-Radiografie im Jahr 1998 entfiel die klassische Röntgenfilm-Entwicklung und meine Patienten konnten die Aufnahmen sofort auf dem PC-Bildschirm anschauen und die Bilder zunächst auf Diskette, später auf USB-Stick mit nach Hause nehmen.

Vom ersten Praxistag an achtete ich auf die allgemeine Gesundheit meiner Mitarbeiterinnen und Patienten. Deshalb mussten auch die Mitarbeiterinnen von Anfang an im Sitzen assistieren, um den Rücken zu entlasten. Das war 1988 absolut unüblich. 
Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, wurden und werden grundsätzlich alle benutzten Instrumente nicht nur desinfiziert, sondern auch sterilisiert. Eine Begehung meiner Praxis durch das Gewerbeaufsichtsamt im Jahr 2015 kostete zwar Zeit, bestätigte mir aber, dass ich alles richtig mache.

Heute haben viele der damals zahnärztlich-prophylaktisch betreuten Kinder als junge Erwachsene ein (fast) karies- und füllungsfreies Gebiss. Sie kommen oft auch nach dem 18. Geburtstag weiter zu den halbjährlichen Kontrolluntersuchungen und lassen ggf. eine professionelle Zahnreinigung durchführen. Im Sinne der Patienten freue ich mich sehr darüber, dass ich heute in einer Woche gerade einmal so viel Füllungen lege wie früher an einem Tag. Die Mundgesundheit hat sich sehr verbessert! Die Anzahl der individualprophylaktsch betreuten Kinder hat aufgrund der Demografie allerdings deutlich abgenommen.

Gern investiere ich immer noch viel Herzblut in die Ausbildung von jungen Menschen. Derzeit gebe ich wöchentlich 6-10 Stunden Unterricht in der BBS Alice-Salomon. Außerdem bin ich in verschiedenen mit der Ausbildung befassten Ausschüssen der ZKN tätig.
Traurig macht mich, dass zwei meiner ehemaligen Auszubildenden bereits in jungen Jahren an Krebs verstarben, eine von ihnen Anfang dieses Jahres.

Inzwischen betreue ich einige ältere Patienten, die bereits ihren 100. Geburtstag gefeiert haben und immer noch einige eigene Zähne besitzen. Auch mit Mitte 80 möchte so mancher Patient noch einmal ein neues "Esszimmer" bekommen. Dabei werden die so genannten Teleskoparbeiten der früher üblichen Modellgussprothese deutlich vorgezogen. 
Mit einigen stationären Einrichtungen in der näheren Umgebung habe ich so genannte Kooperationsverträge abgeschlossen, weshalb ich an manchen Tagen mehr dort als in den eigenen Praxisräumen behandele.

Da die Anzahl der gesetzlichen Vorschriften und die Spezialisierungen in den letzten 30 Jahren exponential gewachsen sind, musste ich mich entscheiden, welchen Weg ich einschlagen wollte.
Deshalb führe ich heute schwerpunktmäßig prophylaktische und prothetische Arbeiten durch. Außerdem kann ich Patienten mit Kieferfunktionsstörungen und/oder nächtlichen Atemproblemen durch eine Schienentherapie helfen. 
Die chirurgischen Behandlungen überweise ich vollständig in die kieferchirurgische Abteilung des Henriettenstiftes. Dort können besonders auch die multimorbiden Patienten gleichzeitig internistisch betreut werden.

Die rasante Entwicklung der Computertechnik führte dazu, dass ich inzwischen Linux-basiert arbeite, da die Open-Source-Gemeinschaft eine bessere Entwicklung und Gestaltung ermöglicht als andere Systeme.

In den nächsten fünf Jahren
 würde ich die Praxis gern schrittweise an eine Nachfolgerin / einen Nachfolger übergeben, die / der meine Patienten in der ihnen gewohnten Art versorgt, ihnen aber auch die permanenten Entwicklungen nahebringt und in gemeinsamem Konsens die individuell bestmögliche Therapie zukommen lässt.

Da ein Zahnarzt schon heute viel mehr Zeit in die Verwaltung investieren muss als vor 30 Jahren, kann ich es den jungen Kollegen nicht verdenken, dass sich immer weniger von ihnen in einer Einzelpraxis niederlassen wollen. Schließlich möchte man Patienten behandeln und sich nicht durch "Papierberge beißen". Auch ich verstehe wirklich nicht, warum ich das vor Jahren im PC angelegte Qualitätsmanagementsystem (QM) noch zusätzlich in 12 Ordnern ausgedruckt im Regal stehen haben soll. Und die ab 25.5.2018 anzuwendende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wird die Verwaltungsarbeit nicht minimieren.

 

Wie lange ich die IT-Anbindung der Praxis (ständiger Datenabgleich der elektronischen Gesundheitskarten mit den Krankenkassen) noch hinauszögern kann, damit alle meine Patienten nicht total "gläsern" werden, vermag ich heute noch nicht zu sagen. Auf jeden Fall empfände ich es als ein Desaster, wenn die Behandlungsdaten meiner Patienten auf Facebook o.ä. sichtbar würden ...


Hannover-Misburg, im April 2018


Haus Friedenstal - Frontansicht

Haus Friedenstal







Behindertengerechter Zugang und Fahrstuhl vorhanden

 

 

Terminabsprache ist zu folgenden Zeiten erbeten:

 

Mo  -   Fr    8.00 - 12.00 Uhr

Mo + Do  14.00 - 16.00 Uhr

 

Telefon:   0511 - 56 10 65

 

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